Wärmepumpe im Altbau: Heizkörper, Hydraulik und Stromverbrauch richtig einstellen
Warum Wärmepumpen im Altbau oft „zu viel Strom“ ziehen
Im Altbau scheitert es selten an der Wärmepumpe selbst, sondern an drei klassischen Bremsen: zu hohe Vorlauftemperaturen, schlecht abgeglichene Heizkreise und Heizkörper, die für niedrige Temperaturen zu klein sind. Dann läuft der Verdichter länger, die Jahresarbeitszahl sinkt und die Stromrechnung steigt.
Die gute Nachricht: Viele Stellschrauben sind ohne große Baustelle machbar. Ziel ist nicht „maximal warm“, sondern ausreichend warm bei möglichst niedriger Vorlauftemperatur. Jede Senkung der Vorlauftemperatur um wenige Grad wirkt sich spürbar auf Effizienz und Kosten aus.
Wenn du bereits eine Wärmepumpe hast: Du kannst mit systematischem Vorgehen meist in 1 bis 2 Wochen deutlich bessere Werte erreichen. Wenn du noch planst: Nutze die Punkte als Checkliste für Angebot und Ausführung.
- Ja/Nein: Schaffst du in den kältesten Räumen 20-21 °C bei maximal 50-55 °C Vorlauf?
- Ja/Nein: Sind alle Heizkörperthermostate im Regelbetrieb voll geöffnet (und die Regelung macht die Temperaturführung)?
- Ja/Nein: Gibt es einen dokumentierten hydraulischen Abgleich (mindestens Verfahren B) mit Einstellwerten je Heizkörper?
- Ja/Nein: Sind die Heizkörper frei (nicht hinter Sofa, Vorhang, Verkleidung) und entlüftet?
- Ja/Nein: Ist eine Heizkurve eingestellt und nicht „Pi mal Daumen“ auf Komfort gedreht?
- Ja/Nein: Ist Warmwasser zeitlich getrennt und nicht permanent auf hohe Temperatur gestellt?

Heizkörper-Realität im Altbau: Was passt zur Wärmepumpe?
Wärmepumpen mögen niedrige Vorlauftemperaturen, typischerweise 30-45 °C. Viele Altbau-Heizkörper wurden jedoch für 70/55 oder 60/50 ausgelegt (Vorlauf/Rücklauf). Das heißt nicht automatisch, dass alles getauscht werden muss. Aber du solltest messbar prüfen, ob die vorhandene Fläche reicht.
Schneller Praxistest: Reicht die Heizfläche?
Wähle einen kalten Tag (oder simuliere mit niedriger Außentemperatur-Einstellung, falls möglich). Stelle die Heizkurve so ein, dass der Vorlauf im Heizbetrieb bei etwa 45-50 °C landet. Öffne alle Thermostate vollständig und lasse 24 Stunden laufen.
- Erreichst du in den Problemräumen 20-21 °C? Dann sind Heizkörper und Hydraulik grundsätzlich kompatibel.
- Bleibt es bei 18-19 °C hängen: Entweder fehlt Heizfläche oder die Wärme kommt dort nicht an (Abgleich, Durchfluss, Luft, Ventile).
- Wird es warm, aber der Stromverbrauch ist hoch: Meist ist die Vorlauftemperatur zu hoch oder es gibt viele Verdichterstarts.
Typische Heizkörper-Upgrades ohne Komplettsanierung
- Einzelne Heizkörper vergrößern: In 1-2 Räumen mit höchster Last (Ecke, Nordseite, Bad) bringt ein größerer Typ oft viel. Häufig passt ein moderner Plattenheizkörper Typ 22/33 bei gleicher Breite, aber größerer Bauhöhe.
- Gebläsekonvektoren (Fan Coils): Sinnvoll, wenn du niedrige Vorläufe willst, aber wenig Wandfläche hast. Beachte Geräusch und Strombedarf des Lüfters.
- Freilegung und Luftführung: Heizkörpernischen, dichte Vorhänge, Möbel direkt davor kosten Leistung. 10-15 cm Abstand nach vorn und oben ist eine einfache Sofortmaßnahme.
- Badheizkörper: Reine Handtuchtrockner sind oft zu schwach bei 35-45 °C. Ergänze ggf. mit einem größeren Flächenheizkörper oder elektrischer Zusatzheizung für kurze Spitzen.
Hydraulik: Der häufigste Effizienz-Killer (und warum Thermostate offen sein sollten)
Im Wärmepumpenbetrieb ist es entscheidend, dass genügend Wasser durch die Heizflächen fließt und die Wärme gleichmäßig verteilt wird. Wenn Thermostate ständig drosseln, entstehen hohe Spreizungen, kurze Takte und eine unruhige Regelung.
So erkennst du fehlenden Abgleich in der Praxis
- Einige Räume werden sehr warm, andere bleiben kühl, obwohl alle Thermostate „gleich“ stehen.
- Du hörst Strömungsgeräusche oder Pfeifen an Ventilen.
- Der Vorlauf ist heiß, der Rücklauf kommt sehr kühl zurück (extreme Spreizung), oder umgekehrt: kaum Temperaturdifferenz bei trotzdem kühlen Räumen.
- Die Wärmepumpe startet häufig (Takten), obwohl es draußen konstant kalt ist.
Hydraulischer Abgleich: Was du konkret verlangen solltest
In Deutschland wird häufig „hydraulischer Abgleich“ gesagt, aber nicht sauber dokumentiert. Bestehe auf einer Liste mit Einstellwerten (Ventileinstellung je Heizkörper, Pumpenkennlinie, Ziel-Spreizung). Für Förderungen ist oft Verfahren B relevant, aber auch ohne Förderung lohnt es sich.
- Thermostatventile voreinstellen (oder Ventileinsätze tauschen, wenn nicht voreinstellbar).
- Umwälzpumpe einstellen: Nicht „maximal“, sondern passend. Zu viel Durchfluss kann Geräusche und ineffiziente Regelung verursachen.
- Heizkreise entlüften und Schmutzfänger prüfen. Altbauanlagen haben oft Ablagerungen, die Durchfluss begrenzen.
- Heizkurve danach neu einregeln (sonst verschenkt man den Effekt).
Thermostate: Im Alltag anders nutzen als bei Gas
Bei Gasthermen funktioniert „Zimmerthermostat runter, schnell wieder hoch“ oft okay. Bei Wärmepumpen ist das meist kontraproduktiv. Besser: konstante Raumtemperaturen und Regelung über Heizkurve.
- Stelle Thermostate in den meisten Räumen auf voll offen oder auf eine hohe Stellung, die nicht ständig regelt.
- Regle die Grundtemperatur über die Heizkurve (und ggf. eine zentrale Raumaufschaltung, wenn sinnvoll).
- Einzelräume nur leicht absenken (1-2 °C), nicht „aus“. Sonst muss die Anlage später mit höherem Vorlauf nachheizen.
Heizkurve einstellen: Schritt-für-Schritt ohne Rätselraten
Die Heizkurve ist das Herzstück. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur gefahren wird. Ziel: so niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Plane dafür mehrere Tage ein, weil Gebäude träge reagieren.
Schritt 1: Ausgangslage schaffen
- Alle Heizkörper entlüften, Heizflächen frei räumen.
- Thermostate öffnen, Türen so nutzen wie im Alltag (nicht alle dauerhaft offen, wenn du das sonst nicht machst).
- Notiere Ist-Werte: Raumtemperaturen, Außentemperatur, Vorlauf, Rücklauf, Stromverbrauch pro Tag (Zähler/App).
Schritt 2: Kurve senken, bis es „gerade so passt“
- Senke die Steilheit oder den Niveauwert in kleinen Schritten (je nach Regelung).
- Warte je Schritt mindestens 24 Stunden.
- Wenn der kälteste Raum unter 20 °C fällt, gehe minimal zurück.
Praxiswert: Viele Altbauten landen am Ende irgendwo zwischen 40 und 55 °C Vorlauf an sehr kalten Tagen, wenn Heizkörper und Abgleich passen. Wenn du dauerhaft 60 °C brauchst, ist das ein Signal: Heizflächen erweitern oder Dämm- und Luftdichtheitsthemen angehen.
Schritt 3: Verdichterstarts beobachten
Viele Starts sind meist ein Zeichen für zu geringe Wassermenge im System, falsche Regelparameter oder zu aggressive Nachtabsenkung. Prüfe:
- Ist ein Pufferspeicher vorhanden und sinnvoll eingebunden (nicht als „Energiefresser“)?
- Ist die Mindestlaufzeit / Hysterese korrekt eingestellt?
- Ist die Umwälzpumpe richtig dimensioniert und eingestellt?

Warmwasser: So vermeidest du unnötige Hochtemperatur-Phasen
Warmwasser wird oft mit 50-55 °C oder mehr gefahren. Das ist okay, aber es sollte zeitlich und temperaturseitig optimiert sein, sonst zieht es die Gesamteffizienz herunter.
Konkrete Einstellungen, die in vielen Haushalten funktionieren
- Warmwassertemperatur: häufig 48-52 °C ausreichend (Komfort prüfen). Höher nur wenn nötig.
- Zeitfenster: Warmwasserbereitung in 1-2 festen Blöcken am Tag, nicht ständig „nachladen“.
- Zirkulation: Nur zeit- oder bedarfsgesteuert. Dauerlauf ist ein Wärmekiller, besonders in Altbau-Schächten.
- Legionellenprogramm: Wenn aktiviert, auf sinnvoll seltene Intervalle und Zeiten legen (z.B. mittags), nicht in der teuersten Stromzeit.
Stromverbrauch realistisch kalkulieren: Was ist „normal“ im Altbau?
Es gibt keine Einheitszahl, aber du kannst dir Plausibilitätsgrenzen setzen. Entscheidend sind Wohnfläche, Dämmstandard, gewünschte Temperaturen, Warmwasseranteil und Vorlauftemperaturen.
Faustformel zur Orientierung (ohne Garantie)
Wenn dein Haus pro Jahr z.B. 18.000 kWh Wärme (Heizung plus Warmwasser) braucht und deine Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,0 erreicht, dann sind das grob 6.000 kWh Strom. Liegt die JAZ nur bei 2,0, werden es 9.000 kWh. Genau deshalb lohnt sich die Optimierung der Vorlauftemperaturen und der Hydraulik.
So prüfst du deine Anlage mit einfachen Daten
- Stromzähler der Wärmepumpe ablesen (wöchentlich).
- Heiztage vergleichen: Kalte Woche gegen milde Woche, nicht nur Monatswerte.
- Vorlauftemperatur mitloggen: Hohe Vorläufe korrelieren fast immer mit hohem Verbrauch.
- Raumtemperaturen notieren: 22-23 °C statt 20-21 °C macht spürbar mehr Bedarf.
Typische Altbau-Fallen und schnelle Lösungen
1) Zugluft und Undichtigkeiten
Wenn es zieht, heizt du „gegen den Wind“. Das ist bei niedrigen Vorlauftemperaturen besonders spürbar, weil die Reserve kleiner ist.
- Fensterdichtungen prüfen und tauschen (oft 20-60 EUR pro Fenster, DIY möglich).
- Rollladenkästen abdichten, Fugen an Fensteranschlüssen nacharbeiten.
- Türspalte im Flur reduzieren, wenn dort überheizt wird.
2) Heizkörpernischen und Außenwände
Heizkörpernischen können massiv Wärme nach außen verlieren. Eine schnelle Zwischenlösung ist eine reflektierende Dämmmatte hinter dem Heizkörper, besser ist eine saubere Innendämm- oder Nischenlösung bei Renovierung.
- Reflexionsfolie nur als Ergänzung sehen, nicht als „Wunderwaffe“.
- Wichtiger: Heizkörper nicht einbauen, dass die Konvektion blockiert ist.
3) Nachtabsenkung wie früher
Starke Absenkung spart bei Wärmepumpen im Altbau oft wenig und kann sogar mehr Strom kosten, weil morgens mit höherem Vorlauf aufgeheizt wird.
- Teste statt 3-4 °C Absenkung nur 1 °C oder lasse konstant laufen.
- Wenn Absenkung, dann in langen Blöcken und nicht ständig wechselnd.
Wann du wirklich umbauen solltest (und was sich am meisten lohnt)
Wenn trotz Abgleich, offener Thermostate und guter Heizkurve immer noch hohe Vorläufe nötig sind, dann ist die Heizfläche oder die Gebäudehülle der Engpass. Bei begrenztem Budget priorisiere Maßnahmen, die Vorlauf runter bringen.
- Heizkörper in den 1-3 kältesten Räumen vergrößern (oft 300-1.200 EUR pro Raum je nach Aufwand).
- Dämmung oberste Geschossdecke (Altbau-Klassiker, meist sehr guter ROI).
- Fenster abdichten/erneuern (teurer, aber Komfortgewinn und weniger Spitzenlast).
- Flächenheizung bei Renovierung (Fußboden- oder Wandheizung), wenn ohnehin Böden/Wände geöffnet werden.
Podsumowanie
- Vorlauftemperatur ist der Hebel Nummer 1: Heizkurve so weit senken, bis es gerade komfortabel bleibt.
- Hydraulischer Abgleich mit dokumentierten Einstellwerten verhindert kalte Räume und Takten.
- Thermostate im Wärmepumpenbetrieb meist offen lassen, Feintuning über Heizkurve.
- Problemräume zuerst lösen: größere Heizkörper oder gezielte Zusatz-Heizfläche.
- Warmwasser zeitlich bündeln, Zirkulation begrenzen, zu hohe Temperaturen vermeiden.
FAQ
Welche Vorlauftemperatur ist im Altbau „gut“?
Als Zielbereich gelten oft 35-45 °C an normalen Wintertagen. An sehr kalten Tagen können 45-55 °C noch okay sein. Dauerhaft 60 °C ist meist ein Hinweis auf zu wenig Heizfläche oder fehlende Optimierung.
Muss ich alle Heizkörper tauschen, wenn ich eine Wärmepumpe habe?
Nein. Häufig reicht es, einzelne kritische Räume mit größeren Heizkörpern auszustatten und die Hydraulik sauber abzugleichen. Erst wenn du sonst dauerhaft hohe Vorläufe brauchst, wird ein größerer Umbau sinnvoll.
Ist Nachtabsenkung mit Wärmepumpe sinnvoll?
In vielen Altbauten nur begrenzt. Kleine Absenkung (ca. 1 °C) kann funktionieren. Starke Absenkung führt oft zu hohem Nachheizbedarf und schlechter Effizienz am Morgen.
Wie erkenne ich, ob die Wärmepumpe zu oft taktet?
Wenn der Verdichter sehr häufig startet (z.B. viele Starts pro Stunde) und nur kurz läuft, ist das Takten. Ursache sind oft falsche Regelparameter, zu geringe Systemwassermenge oder Thermostate, die ständig schließen.
