Innentüren renovieren oder austauschen: Kosten, Aufwand und Entscheidungshilfe

Vergilbte, zerkratzte oder verzogene Innentüren lassen eine Wohnung schnell abgewohnt wirken, obwohl Boden, Wände und Möbel noch ordentlich sind.

Auf einen Blick

  • Streichen lohnt sich, wenn Türblatt und Zarge technisch in Ordnung sind und nur Farbe, Kratzer oder kleine Macken stören.
  • Folieren ist optisch schnell, verzeiht aber Unebenheiten schlecht und ist an Kanten anfällig, besonders bei stark genutzten Kinderzimmer- oder Bad-Türen.
  • Austauschen ist sinnvoll, wenn die Tür verzogen ist, stark beschädigte Kanten hat oder Schallschutz, Optik und Griffhöhe nicht mehr passen.
  • Realistische Kosten: Lackieren in Eigenleistung etwa 35 bis 90 € je Tür, Folieren etwa 45 bis 120 € je Tür, neuer Türsatz mit Zarge häufig 180 bis 550 € je Öffnung ohne Sondermaße.
  • Wichtig in Mietwohnungen: Türen und Zargen gehören in der Regel zur Mietsache. Streichen, Kürzen, Bohren oder Austauschen sollte vorab mit dem Vermieter geklärt werden.

Aus meiner Praxis in deutschen Altbau- und Mehrfamilienhäusern ist die wichtigste Frage nicht: Was sieht am schönsten aus? Entscheidend ist: Ist die bestehende Tür noch maßhaltig, stabil und sauber einstellbar?

Kostenvergleich: Streichen, folieren oder ersetzen

Vor der Entscheidung lohnt ein nüchterner Blick auf die Kosten. Eine Standard-Innentür nach gängigen deutschen Maßen, zum Beispiel ein Türblatt mit rund 860 x 1985 mm, ist deutlich günstiger zu renovieren als eine Sondertür im Altbau mit 2110 mm Höhe oder schiefer Zarge. Bei Wohnungen aus den 1960er- bis 1990er-Jahren, auch im Plattenbau, finden sich häufig relativ einheitliche Öffnungen. Im Gründerzeit-Altbau dagegen sind Zargen oft überstrichen, Wände nicht lotrecht und Türblätter individuell angepasst.

Variante Materialkosten je Tür Handwerkerkosten je Tür Geeignet für
Tür und Zarge lackieren 35 bis 90 € 120 bis 280 € stabile Türen mit intakter Oberfläche
Tür folieren 45 bis 120 € 120 bis 250 € glatte Türblätter ohne Profile und ohne tiefe Macken
Türblatt tauschen, Zarge bleibt 90 bis 250 € 80 bis 180 € passende Normmaße, intakte Zarge
Kompletter Türsatz mit Zarge 180 bis 550 € 180 bis 450 € starke Schäden, neue Optik, bessere Funktion
Beschläge erneuern 18 bis 80 € 20 bis 60 € schnelles optisches Upgrade
Weiße Innentür mit Zarge vor der Renovierung und Farbmuster daneben
Vor der Entscheidung sollten Zustand, Maße und Kosten je Tür verglichen werden.

Diese Preise sind typische Praxiswerte für einfache bis mittlere Qualitäten. Design-Türen, stumpf einschlagende Türen, CPL-Oberflächen in Sonderdekoren, Glasausschnitte oder Brandschutzanforderungen kosten mehr. Für eine solide weiße Innentür aus dem Baumarkt oder Fachhandel liegen Türblätter oft bei 80 bis 180 €. Ein kompletter Türsatz mit Zarge beginnt häufig bei etwa 160 bis 220 €, realistisch inklusive Beschlägen und Montagematerial sind eher 250 bis 450 € pro Öffnung.

Nach meiner Erfahrung wird der Arbeitsaufwand oft unterschätzt. Eine Tür sauber zu lackieren bedeutet: aushängen, Beschläge demontieren, reinigen, anschleifen, spachteln, grundieren, zwischenschleifen, lackieren und trocknen lassen. Bei sechs Türen in einer Wohnung ist das kein Samstagnachmittag, sondern eher ein Projekt über mehrere Tage.

Wann Renovieren reicht und wann Austausch besser ist

Renovieren reicht, wenn das Türblatt gerade ist, die Bänder halten, das Schloss sauber schließt und die Kanten nicht aufgequollen sind. Kleine Kratzer, alte Nikotinfärbung, vergilbter Lack oder matte Stellen lassen sich gut beheben. Besonders bei profilierten Altbautüren lohnt sich Renovierung oft, weil neue Türen mit ähnlicher Wirkung teuer sind und die vorhandenen Proportionen zur Wohnung passen.

Austausch ist besser, wenn das Türblatt sichtbar verzogen ist, unten schleift, an der Schlossseite nicht mehr sauber anliegt oder Feuchteschäden vorhanden sind. Gerade bei Bad- und Küchen-Türen sieht man häufig aufgequollene Unterkanten. Wenn Spanplattenmaterial bereits bröselt, hilft Lack nur kurzfristig. Auch Zargen mit mehreren alten Lackschichten, tiefen Rissen oder gelösten Gehrungen sind mühsam zu retten.

Ein gutes Zwischenmodell ist der Tausch des Türblatts bei erhaltener Zarge. Das funktioniert aber nur, wenn Bänder, Falzmaß und Schlossposition passen. Deutsche Innentüren orientieren sich häufig an DIN 18101, trotzdem bedeutet das nicht, dass jedes neue Türblatt automatisch in jede alte Zarge passt. Messen Sie Breite, Höhe, Falz, Bandabstand und Schlosskastenposition genau. Bei älteren Stahlzargen im Mehrfamilienhaus kann die Auswahl eingeschränkt sein.

In einer 55 m² Altbauwohnung in Leipzig mit vier lackierten Kassettentüren kann Streichen für 250 bis 450 € Materialeinsatz eine sehr gute Lösung sein, wenn man selbst arbeitet. Beauftragt man einen Malerbetrieb, können für vier Türen mit Zargen schnell 900 bis 1.600 € entstehen. Ein kompletter Austausch würde wegen Sonderhöhen, Anpassarbeiten und neuen Zargen oft deutlich darüber liegen.

Material, Maße und technische Punkte richtig prüfen

Vor jedem Angebot sollten Sie eine kleine Bestandsaufnahme machen. Messen Sie die Türblattbreite und -höhe, die Wandstärke an der Zarge und die Öffnungsrichtung. Übliche Wandstärken im Innenbereich liegen zum Beispiel bei etwa 100 mm, 145 mm oder 270 mm, je nach Baujahr, Mauerwerk und Putzaufbau. Bei Trockenbauwänden im Neubau sind andere Zargentiefen üblich als bei massiven Altbauwänden.

Prüfen Sie auch den Bodenabstand. Zwischen Türblatt und fertigem Boden bleiben in der Praxis oft etwa 4 bis 7 mm Luft. Nach einem neuen Bodenbelag, zum Beispiel Parkett oder Vinyl mit Unterlage, kann die Tür plötzlich schleifen. Dann muss das Türblatt fachgerecht gekürzt werden. Bei Röhrenspantüren ist unten nicht unbegrenzt Material vorhanden. Wer zu viel abschneidet, schwächt die Konstruktion oder öffnet die Unterkante.

Bei Schallschutz sind Innentüren ein häufiger Schwachpunkt. DIN 4109 regelt den Schallschutz im Hochbau, im normalen Wohnungsinneren werden aber oft einfache Türen verbaut. Für Schlafzimmer, Home Office oder Kinderzimmer kann eine schwerere Tür mit Dichtung und absenkbarer Bodendichtung sinnvoll sein. Rechnen Sie dafür eher mit 280 bis 700 € je Türsatz, je nach Ausführung. Wunder sollte man nicht erwarten, denn Schall läuft auch über Fugen, Wände und Bodenanschlüsse.

Bei Feuchträumen sollten Sie robuste Oberflächen wählen. CPL-Türen sind in vielen Haushalten pflegeleichter als einfache lackierte Dekoroberflächen. Massivholz wirkt hochwertig, arbeitet aber stärker mit Luftfeuchte. In kleinen Bädern ohne Fenster ist eine gute Lüftung wichtiger als die teuerste Tür. Hier greifen auch die allgemeinen Anforderungen an Lüftung und Feuchteschutz, die im Neubau und bei Sanierungen im Umfeld von GEG und DIN-Planung berücksichtigt werden.

Wer in einer Eigentumswohnung lebt, sollte zusätzlich die Teilungserklärung und WEG-Regeln prüfen, wenn Türen zum gemeinschaftlichen Bereich betroffen sind. Die Wohnungseingangstür ist fast immer anders zu bewerten als normale Innentüren. Dieser Ratgeber bezieht sich auf Innentüren innerhalb der Wohnung, nicht auf Wohnungsabschlusstüren mit Brandschutz-, Rauchschutz- oder Einbruchschutzanforderungen.

Schritt für Schritt zur passenden Lösung

Beginnen Sie mit der einfachsten Frage: Stört nur die Optik oder auch die Funktion? Wenn nur die Optik stört, sind neue Drückergarnituren oft der schnellste Effekt. Schwarze, edelstahlfarbene oder klassische Messing-Beschläge kosten meist 18 bis 80 € pro Tür. Achten Sie auf die Lochung, zum Beispiel Buntbart, Profilzylinder oder WC-Garnitur.

Wenn die Oberfläche vergilbt ist, wählen Sie Lack. Für Türen eignen sich wasserbasierte Acryllacke oder lösemittelhaltige Kunstharzlacke. Wasserbasierte Lacke riechen weniger und trocknen schneller, verlaufen aber nicht immer so glatt wie klassische Lacke. Wichtig sind ein geeigneter Haftgrund, feines Schleifpapier in Körnung 180 bis 240, ein guter Lackroller und Geduld. Rechnen Sie mit 1 Liter Lack für etwa 6 bis 8 m² je Anstrich, abhängig von Produkt und Untergrund. Eine Tür mit Zarge benötigt meist zwei Anstriche.

Folien sind sinnvoll bei sehr glatten, schlichten Türen. Sie sparen Trocknungszeiten, zeigen aber jede Delle. An den Kanten, rund um die Drückergarnitur und an der Falz trennt sich günstige Folie bei hoher Beanspruchung schneller. Für Mietwohnungen ist Folie verlockend, weil sie theoretisch rückbaubar ist. Praktisch bleiben je nach Kleber und Lackuntergrund trotzdem Spuren. Vorher an verdeckter Stelle testen.

Wenn Sie ersetzen, kaufen Sie nicht nur nach Dekor. Prüfen Sie DIN-Richtung, Falzart, Bandtyp, Schloss und Zarge. Bei Baumarktware sind günstige Türsets attraktiv, aber die Montage entscheidet über das Ergebnis. Eine Zarge muss lotrecht, fluchtend und spannungsfrei sitzen. Montageschaum allein ersetzt keine saubere Ausrichtung. Bei schiefen Wänden im Altbau sind Bekleidungen und Schattenfugen oft die eigentliche Arbeit.

Für Planung und Reihenfolge lohnt ein Blick auf angrenzende Gewerke: Wird der Boden noch erneuert, sollten Türen erst danach final angepasst werden. Werden Wände gestrichen, sind Zargen vorher oder nachher zu bearbeiten, je nach System. Mehr praktische Grundlagen finden Sie unter Renovierung richtig planen und Bodenbeläge in der Wohnung vergleichen.

Mietwohnung, Altbau und Handwerker: typische Fehler vermeiden

In der Mietwohnung gilt: Nicht jede optische Verbesserung ist automatisch erlaubt. Innentüren sind Bestandteil der Mietsache. Ein weißer Neuanstrich in ähnlicher Qualität ist häufig unproblematischer als schwarze Lackierung, Kürzen, Bekleben mit stark haftender Folie oder Austausch. Holen Sie eine schriftliche Zustimmung ein, wenn die Veränderung nicht eindeutig rückstandsfrei ist. Das erspart Streit beim Auszug.

Ein typischer Fehler ist das Überstreichen von Beschlägen, Dichtungen und Schließblechen. Das sieht billig aus und verschlechtert die Funktion. Beschläge sollten demontiert, Dichtungen abgeklebt oder herausgenommen und Schließbleche sauber ausgespart werden. Ebenfalls häufig: zu dicker Lackauftrag. Türen schließen danach schlechter, kleben in der Falz oder reiben am Rahmen.

Im Altbau kommt ein weiterer Punkt dazu: Bleihaltige Altanstriche sind bei sehr alten Lackschichten möglich. Ohne Analyse sollte man alte Lacke nicht aggressiv trocken abschleifen. Arbeiten Sie staubarm, mit Absaugung und geeigneter Maske, oder lassen Sie kritische Altbeschichtungen vom Fachbetrieb prüfen. In der Praxis zeigt sich, dass gerade alte Türprofile viel Schleifzeit verschlingen.

Bei Handwerkerangeboten sollten Sie genau vergleichen. Steht nur Türen streichen im Angebot, ist unklar, ob Zargen, Spachtelarbeiten, Schleifen, Grundierung und Beschläge enthalten sind. Fragen Sie nach Anzahl der Anstriche, Lacktyp, Trocknungszeiten und ob die Türen vor Ort oder in der Werkstatt bearbeitet werden. Eine Werkstattlackierung kann glatter werden, kostet aber durch Transport und Logistik mehr.

Wenn Sie mehrere Räume gleichzeitig verbessern, kombinieren Sie Türarbeiten mit Licht, Wandfarbe und Stauraum. Eine frisch lackierte Tür wirkt nur halb so gut, wenn vergilbte Lichtschalter, beschädigte Sockelleisten und alte Griffe bleiben. Weitere passende Themen sind Wandfarben für kleine Räume und Ordnung im Flur schaffen.

Handwerker richtet eine neue Innentür mit Holzkeilen und Wasserwaage aus
Eine neue Zarge muss lotrecht und spannungsfrei montiert werden.

Fazit

Ob Innentüren renoviert oder ausgetauscht werden sollten, entscheidet sich an Zustand, Maßhaltigkeit, Mietrecht und Budget. Lackieren ist günstig und erhält den Charakter, braucht aber saubere Vorarbeit. Folieren ist schnell, aber nicht für jede Tür dauerhaft überzeugend. Austausch bringt die größte Veränderung, wird aber durch Zargen, Sondermaße und Montage teurer.

  • Tür gerade und stabil? Dann Renovierung prüfen.
  • Kanten aufgequollen oder Tür verzogen? Austausch einplanen.
  • Mietwohnung? Zustimmung einholen, bevor lackiert, gekürzt oder foliert wird.
  • Maße aufgenommen? Breite, Höhe, Wandstärke, Falz, Bandabstände und Öffnungsrichtung notieren.
  • Budget realistisch? Für sechs Türen in Eigenleistung etwa 250 bis 600 € Material, mit Fachbetrieb oft 1.500 bis 3.500 € je nach Umfang.
  • Boden wird erneuert? Türen erst danach endgültig kürzen und einstellen.

Häufige Fragen

Kann ich Innentüren in der Mietwohnung einfach streichen?

Nur eingeschränkt. Ein gleichwertiger heller Erhaltungsanstrich ist meist weniger kritisch als eine starke Farbänderung. Da Türen zur Mietsache gehören, sollten Sie bei auffälligen Farben, Folien oder Austausch eine schriftliche Zustimmung des Vermieters einholen.

Was kostet es, eine Innentür vom Maler lackieren zu lassen?

Für Türblatt und Zarge sind je nach Zustand, Region und Lackaufbau etwa 120 bis 280 € pro Tür realistisch. Aufwendige Kassettentüren, viele Altanstriche oder Werkstattlackierung können deutlich teurer werden.

Ist Folieren besser als Lackieren?

Folieren ist schneller und ohne Trocknungszeit nutzbar, eignet sich aber vor allem für glatte Türen. Lackieren ist bei profilierten Türen, Altbautüren und beanspruchten Kanten meist dauerhafter, wenn sauber vorbereitet wird.

Kann ich nur das Türblatt austauschen und die Zarge behalten?

Ja, wenn Maße, Falz, Bänder und Schlossposition passen. Trotz gängiger DIN-Maße sollten Sie nie blind kaufen, sondern das alte Türblatt exakt messen oder im Fachhandel prüfen lassen.

Welche Oberfläche ist pflegeleicht für Familien?

CPL-Oberflächen sind im Alltag robust, gut abwischbar und oft unempfindlicher als einfache Lackoberflächen. Für Kinderzimmer, Flur und Küche sind sie eine praktische Wahl.

Wann sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden?

Bei schiefen Altbauzargen, Sondermaßen, vielen Türen, stark beschädigten Oberflächen oder gewünschtem sehr glattem Lackbild lohnt ein Fachbetrieb. Auch bei Verdacht auf problematische Altanstriche ist professionelle Hilfe sinnvoll.